Die IG Kultur hat gewählt!

Unruhe! Säbelrasseln! Was ist da los?! Bei der IG Kultur (u. a. Herausgeberin von  «041 - Das Kulturmagazin» und somit auch «Kulturteil.ch») ging in letzter Zeit die Post ab. Alles halb so wild? Wir sagen, die IG Kultur geht gelassen und aufgestellt in die Zukunft. Kulturteil.ch berichtete live-tickernd von der ausserordentlichen Delegiertenversammlung, die am Abend des 7. Januar ab 19 Uhr im Theaterpavillon Luzern stattfand. Die offizielle Medienmitteilung finden Sie am Ende des Tickers.

18:36 Uhr: Vorbereitungen & Eintreffen. Lustig: Das Bühnenbild von der gestrigen Nawal-Premiere steht noch.

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18:43 Uhr: Es wird bereits herumgemurmelt und herumdiskutiert: Was war genau mit dem alten Vorstand? Wer kommt jetzt? Wer ist auf wessen Seite? Und wieso das alles? Erste Bestandsaufnahme aus dem Ruckli' & Weingartner'schen WhatsApp-Chat:

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18:55 Uhr: Der Saal ist leer und das Bistro noch voll. Erinnert an eine typische Kulturveranstaltung in Luzern. Um 19:00 Uhr soll(te) alles anfangen.

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19:06 Uhr: Das Delegiertenvolk trudelt ein.

19:16 Uhr: Es geht los (mit der akademisch-erlaubten Verspätung einer Viertelstunde), das Boot ist voll. Brigitte Heinrich (Noch-Vorstand und heute abtretend) eröffnet die Delegiertenversammlung. Sie freut sich, dass so viele Mitglieder der IG Kultur erschienen sind und dass sich so viele für die IG Kultur interessieren. Begrüssung zahlreicher Persönlichkeiten von Stadt und Kanton.

Mitglieder AlterVorstand

19:21 Uhr: 92 Stimmberechtigte aus dem gesamten Kulturgebiet der Zentralschweiz sind anwesend. Man könnte meinen, an einem heissbegehrten Konzert, Theaterstück o.ä. dabei zu sein. Die Abstimmungen zur Wahl des neuen Vorstandes der IG Kultur  beginnen. Ruedi Meier, ehemaliger Stadtrat, wird zum Tagespräsidenten gewählt.

19:26 Uhr: Der Vorstand der IG Kultur liest sein Abschiedsstatement vor (vorgelesen von Noemi Wyrsch), hier in den wichtigsten Zügen wiedergegeben:

  •  Der Vorstand freut sich, dass so viele Personen anwesend sind.
  •  Er tritt heute an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung geschlossen zurück. An der letzten DV wurde die aktuell gefahrene Strategie noch gutgeheissen. Diese Strategie führte auch zum gemeinsamen, einstimmigen Entscheid, sich von Edina Kurjakovic zu trennen.
  • Jener Trennungsentscheid ist auf einen riesigen Protest von aussen und innen gestossen. Versuche, mit Aussenstehenden und dem Team zu kommunizieren, schlugen fehl.
  •  Der Vorstand habe all sein Herzblut gegeben und verlasse die IG Kultur mit Bedauern. Die IG Kultur und die Kulturschaffenden im Allgemeinen bedeuten ihm nach wie vor sehr viel.
  •  Herzlichen Dank an das Team der IG Kultur & Edina Kurjakovic.

19:29 Uhr: Stadträtin Ursula Stämmer verabschiedet den abtretenden Vorstand und dankt ihm. Eine kleine, bescheidene Dankesfeier gehöre sich laut ihr. Sie schenkt eine CD von Albin Brun und eine Swiss-Card der Stadt Luzern mit Messer, Schere, Zahnstocher, Kugelschreiber u.v.m. und bittet um einen Applaus sowie Wertschätzung für alle. Stämmer betont abschliessend, dass die IG Kultur eine wichtige Partnerin der Stadt Luzern sei – «macht diese nicht kaputt».

Danke Brigitte Heinrich. Danke Philippe Schmidig. Danke Konrad Weber. Danke Noemi Wyrsch. (Und Danke Bettina Ritzi & Daniel Meier, die schon vorher in einer Nacht- und Nebelaktion den Rücktritt bekanntgegeben haben und gar nicht mehr anwesend sind).

Applaus.

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19:35 Uhr: Gerold Kunz präsentiert stellvertretend die Anträge einer externen Gruppe, bestehend aus B-Sides, Der gesunde Menschenversand, KKLB Beromünster, Kunsthalle Luzern, Mullbau Luzern, Radio 3FACH, Theaterbar Bunterbünter, Woerdz, Zwischenbühne Horw u.v.a. Erstmals in der Geschichte der IG Kultur sind deren Mitglieder nicht mit einem Entscheid des Vorstands einverstanden. Die Trennung von der Geschäftsleiterin der IG Kultur, Edina Kurjakovic, wird nicht akzeptiert. Die von Kunz vertretene Gruppe  begrüsst deshalb den Entscheid des aktuellen Vorstandes, dass dieser zurücktritt. Es gehen in den folgenden Anträgen nicht darum, die Statuten zu ändern, sondern einen Prozess anzustossen.

GeroldKunz

19:40 Uhr: Die Anträge lauten wie folgt: 1. Antrag: Bei der Auswahl des Vorstands ist auf eine ausgewogenene Zusammensetzung zu achten. 2. Antrag: Die Amtsdauer der gewählten Vorstandsmitglieder ist auf die Zeit bis zur nächsten Delegiertenversammlung zu beschränken. 3. Antrag: Das Datum der ordentlichen DV soll auf Juni 2016 verschoben werden, damit mehr Zeit zur Verfügung steht, die vollständige Zusammensetzung des Vorstands zu verkündigen. 4. Antrag: Man soll das Bewerbungsverfahren für die Neubesetzung der Geschäftsstelle der IG Kultur einstellen und die Stelle neu ausschreiben. 5. Antrag: Bildung einer Arbeitsgruppe «Konsolidierung IG Kultur». Im Anschluss wird ein interimistischer Vorstand gewählt. Dieser sollte an der nächsten ordentlichen DV nicht wieder abgewählt werden, sondern so bestehen bleiben, sofern die Zusammensetzung funktioniert.

19:43 Uhr:  Mit Ausnahme von Antrag Nr. 2 ist Tagespräsident Ruedi Meier der Meinung, dass man diese Punkte dem neuen Vorstand als Empfehlung und nicht als Obligatorium weitergeben solle.

19:52 Uhr: Die Anträge werden den Mitgliedern zur Bestätigung resp. Abstimmung angegeben, jedoch auch hinterfragt und diskutiert. Es findet die Abstimmung der jeweiligen Punkte statt. Entweder werden die jeweiligen Anträge fix so festgelegt oder als Empfehlung angegeben. Antrag Nr. 1 wird so angenommen und der zukünftige Vorstand hat sich daran zu halten.

Einstimmig

19:57 Uhr: Die Stimmung ist etwas chaotisch und mehrere Wortmeldungen fallen. Nicht alle Mitglieder verstehen genau den Unterschied zwischen Empfehlung und fixen Vorgaben. Nach einer kurzen Erklärung Meiers – «ich habe diese Punkte (die obenstehenden Anträge, Anm. der Redaktion) hinterfragt und möchte sie nicht als fix betrachten; deshalb sollen sie zuerst als Empfehlung definiert werden, die bei der nächsten DV o.ä. angepasst werden können. Als Tagespräsident erlaube ich mir dies.» – gehts weiter.

20:00 Uhr: Die Abstimmung wird fortgesetzt. Antrag Nr. 2 wird später besprochen. Antrag Nr. 3: Die Mitglieder entscheiden sich dafür, dass die DV im Juni stattfinden soll.

20:05 Uhr: Antrag Nr. 4: mehrere Äusserungen dazu, dass die Mitglieder hier und jetzt nicht dem neuen Vorstand vorschreiben hätten, was er zu tun hat. Der Vorstand solle selbst entscheiden. Antrag Nr. 4 wird komplett abgelehnt.

20:08 Uhr: Die Arbeitsgruppe - und damit Antrag Nr. 5 - wird ebenfalls abgelehnt. Die Konsolidierung der IG Kultur soll aber ganz klar stattfinden; wie dies passiert, ist Aufgabe des Vorstandes und gehört zu dessen höchster Priorisierung.

20:10 Uhr: Folglich ein ausserordentlicher Antrag: Die Konsolidierung der IG Kultur muss eine der höchsten Prioritäten erhalten. Dafür gibt's Applaus. Als zusätzlicher Anhang soll der Vorstand dies nicht im stillen Kämmerchen tun, sondern auch Rat von ausserhalb beziehen dürfen. Der Antrag wird nahezu einstimmig angenommen. Die Abhandlung der obenstehenden Anträge ist mit einer Ausnahme erfolgt.

20:13 Uhr: Es findet die Wahl des neuen Vorstandes der IG Kultur statt. Vier der fünf Personen, die vorgeschlagen wurden, stellen sich nun vor und sollen vorerst die IG Kultur übernehmen. Es sind dies von links nach rechts: Urs Bugmann (Journalist & Vorstand Literaturhaus Zentralschweiz lit.z), Angela Meier (Vorstand B-Sides), Raphael Zingg (Jurist & Gitarrist von Highfish) sowie Laura Breitschmid (sic! Raum für Kunst, FUKA Fonds, am Pult stehend), die sich jeweils vorstellen. Dominik Deuber (Lucerne Festival) ist ferienbedingt abwesend. Angela Meier und er würden vorerst die IG Kultur im Co-Präsidium führen.

NeuerVorstand

20:23 Uhr: Verrückt, was diese Personen alles machen oder gemacht haben – die obenstehenden Klammerbemerkungen sind nur die offiziellen Bezeichnungen, die vorgängig an die Mitglieder gegangen sind. Wussten Sie beispielsweise, dass Zingg ein ehemaliger Matrose ist und Meier Radio-3FACH-Kommunikationschefin war? Da freuen sich auch Luzern Tourismus und die hiesige Jugend.

20:26 Uhr: Zudem ist Dominik Deuber studierter Schlagzeuger und in Abidjan (Elfenbeinküste) geboren. Faszinierend. Bevor die Wahl stattfindet, wird es wieder ernster: Das Co-Präsidium wird in Frage gestellt, da dieses ja offensichtlich nicht funktioniert habe.

20:30 Uhr: Angela Meier spricht die Kurzfristigkeit des Vorstandes an, denkt aber, dass die Konstellation mindestens bis im Sommer gut funktionieren sollte. Zingg ergänzt zudem, dass der Vorstand so nicht geschlossen sei und er offen für weitere Bewerbungen wäre. Im Moment meldet sich niemand hierfür. Ergänzungen aus den Mitglieder-Rängen: Man solle diesem Vorstand jetzt vertrauen. Zitat Ruedi Meier: «Das wirkt hier  beinahe so wie in der KP China, wenn es um die Wahl des Generalsekretärs geht!». (Und auch Kulturschaffende kichern, wenn das Wort «Geschlecht» fällt. Hoffen wir, dass das irgendwann aufhört.)

20:36 Uhr: Antrag Nr. 2 wird in einer weiteren Abstimmung angenommen. Nun der wichtigste Entscheid: die Wahl des neuen Vorstand der IG Kultur.

20:38 Uhr: Der neue Vorstand der IG Kultur wird geschlossen mit 92:0 Stimmen angenommen. Ebenso das Co-Präsidium.

VorstandGewählt

Von links nach rechts noch einmal: Laura Breitschmid, Urs Bugmann, Angela Meier, Raphael Zingg. (Nicht im Bild: Dominik Deuber). Die Gesichter momentan etwas steinern, aber innerlich tobt es bei ihnen. Meier richtet eine kleine Ansprache an die anwesenden Mitglieder der IG Kultur: «Wir freuen uns, diese Aufgabe zu übernehmen und wollen dazu beitragen, dass das kulturelle Geschehen hier in der Zentralschweiz ordentlich weitergehen wird.»

20:40 Uhr: Beim abschliessend Sitzungsteil «Varia» kommt lediglich ein Hinweis auf den Neubad-Talk am 12. Januar zur Sprache.

20:43 Uhr: Die ausserordentliche DV der IG Kultur ist hiermit beendet. Und jetzt zu einem Lieblingsabendsabschnitt der Kulturszene. Ein Wort: Prost!  

Zusammenfassung: Ein neuer, fünfköpfiger Vorstand führt ab sofort die IG Kultur Luzern. Die Delegierten haben an der ausserordentlichen Versammlung vom 7. Januar 2016 Urs Bugmann, Laura Breitschmid, Dominik Deuber, Angela Meier und Raphael Zingg in den Vorstand gewählt. Angela Meier und Dominik Deuber übernehmen das Co-Präsidium. Am heutigen Abend, 7. Januar, stand für die IG Kultur Luzern eine wichtige Weichenstellung an. Die Interessensgemeinschaft lud zu einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung mit Neuwahlen von Vorstand und Präsidium. Im Theaterpavillon Luzern entschieden sich die Mitglieder einstimmig, einen Vorstand mit beschränkter Amtsdauer bis zur nächsten ordentlichen Delegiertenversammlung einzusetzen. Dieser setzt sich aus Urs Bugmann, Laura Breitschmid, Dominik Deuber, Angela Meier und Raphael Zingg zusammen. Angela Meier und Dominik Deuber wurden zudem einstimmig für das Co-Präsidium gewählt.

Urs Bugmann, *1951 in Cham, Studium (Germanistik, Publizistik und Literaturkritik) und Promotion an der Universität Zürich. Arbeitete als Verlagslektor, Literatur-, Kunst- und Theaterkritiker. Bis Anfang 2014 Kulturredaktor und Autor der Neuen Luzerner Zeitung in den Bereichen Literatur, Theater und visuelle Kunst. Die letzten zwei Jahre künstlerischer Leiter des regionalen Kulturzentrums Stadtmühle Willisau. Laura Breitschmid, *1987 in Meggen, Studium (Kunstgeschichte, Wirtschaftswissenschaft). Arbeitet bei Curaden AG und sic! Raum für Kunst und ist Vorstandsmitglied beim Verein Kunsthoch. Zudem Mitglied der Kommission Bildende Kunst Meggen und des FUKA Fonds. Dominik Deuber, *1979 in Abidjan (Elfenbeinküste), aufgewachsen in Frauenfeld (TG). Studium (Schlagzeug, Performance- und Lehrdiplom sowie Music Management). Arbeitete als Freelancer in diversen Formationen im Jazz-, Pop- und Rockbereich, als Musiklehrer und bei der Krebsliga Schweiz. Seit 2004 bei der Lucerne Festival Academy, seit 2011 Leitung Managing Director. Zudem beim Jazzfestival generations in Frauenfeld und als Fachreferent für den Bereich Jazz, Rock und Pop in der Jury des Kulturamts des Kantons Thurgau tätig. Angela Meier, *1990 in Luzern, Studium (Kulturwissenschaften, Geschichte, Philosophie). War knapp sieben Jahre bei Radio 3FACH tätig – zuerst als Moderatorin, danach als Leiterin Marketing und Kommunikation. Aktuell Vorstandsmitglied beim Verein B-Sides und Masterstudium in Kulturpublizistik. Raphael Zingg, *1980 in Horw, kaufmännische Ausbildung und Studium (Rechtswissenschaft). Arbeitete als Matrose auf dem Vierwaldstättersee und ist heute als Rechtsanwalt in Luzern tätig. Früher Gitarrist in diversen Luzerner Bandprojekten, heute als Vorstandsmitglied Baugenossenschaft Wohnwerk Luzern tätig. Zudem wohnhaft und aktiv auf dem Kulturhof Hinter Musegg.

Mit dem Einsetzen eines Vorstandes mit befristeter Amtsdauer wird die Kontinuität der IG Kultur Luzern gewährleistet und deren Handlungsfähigkeit sichergestellt. Die Zeit bis zur nächsten ordentlichen Delegiertenversammlung kann investiert werden, um die Zusammensetzung des Vorstandes unter Einbezug der Mitglieder zu überprüfen und diesen bei Bedarf zu ergänzen. Ein Vorstand, der die Verantwortung längerfristig trägt, soll an der Delegiertenversammlung im Sommer 2016 gewählt werden. Über alles weitere sowie das Vorgehen bezüglich der vakanten Geschäftsleitungsstelle informiert der Vorstand zu einem späteren Zeitpunkt.