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Porträt von Cécile Bühlmann, fotografiert von Kim da Motta

08.06.26

Cécile Bühlmann: Wie nachhaltig ist die SVP?

In unserer Interviewserie werfen wir Schlaglichter auf Perspektiven aus dem Migrations- und Asylbereich auf die SVP-Initiative zur «10-Millionen-Schweiz». Diesmal: Alt Nationalrätin Cécile Bühlmann, sie war von 1981 bis 1989 Beraterin auf der Ausländerberatungsstelle ARBAL, anschliessend Beauftragte für Interkulturelle Erziehung beim Kanton Luzern und Dozentin für Interkulturelle Pädagogik.

Giulia Bernardi (Interview) und Kim da Motta (Bild)

In deinem beruflichen und zivilgesellschaftlichen Engagement spielen Migrationsfragen eine zentrale Rolle: Du hast als Lehrperson fremdsprachige Kinder unterrichtet und bist bis heute bei der Sans-Papiers Beratung Zentralschweiz aktiv. Wie kam es zu diesem Schwerpunkt?

Ich habe eine italienische Mutter und wurde seit der Kindheit für die Diskriminierung sensibilisiert, die Migrantinnen und Migranten in der Schweiz erleben. Die Abstimmung zur Schwarzenbach-Initiative habe ich als sehr intensiv erlebt: Weder meine Mutter noch ich konnten abstimmen, das hat mich politisiert.

In den Achtzigerjahren warst du bei der Ausländerberatungsstelle ARBAL tätig und hast migrantische Familien in Schulfragen betreut. Damals war das Saisonnierstatut noch in Kraft. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Ich habe dafür gekämpft, dass auch die Kinder von Saisonniers in die Schule gehen können. Voraussetzung dafür war, dass die Schulbehörden nicht überprüfen, ob sie legal hier sind. 1991 hat die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren zum ersten Mal eine Weisung herausgegeben, laut der alle in der Schweiz lebenden Kinder in die öffentlichen Schulen integriert werden.

Welche Missstände sind dir im Rahmen deiner Arbeit bei der Ausländerberatungsstelle begegnet?

Saisonniers benötigten vier Saisons hintereinander für jeweils neun Monate einen gültigen Arbeitsvertrag, um die Aussicht auf eine Jahresbewilligung zu haben. Die Jahresbewilligung war zentral: Sie umfasste die Möglichkeit, ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu suchen und die Familie nachzuziehen. Damit das nicht passiert, haben viele Arbeitgeber die vierte Saison gekürzt. Dadurch sind die Saisonniers nicht auf 36 Monate gekommen, was die Voraussetzung für eine Umwandlung gewesen wäre. Das hiess für sie, wieder von vorne anzufangen. Die Arbeitgeber haben die Situation ausgenutzt: Sie wussten ganz genau, dass die Saisonniers mit einer besseren Bewilligung auch eine bessere Stelle suchen. Es ist ein Ausdruck der Missachtung dieser Menschen.

Nun möchte die SVP mit ihrer Initiative Kontingente einführen und den Familiennachzug einschränken.

Es ist die alte Fremdenfeindlichkeit, die diese Partei gross gemacht hat. Sie wollen die Arbeitskräfte, aber nicht ihre Familien.

Laut einer Abstimmungsumfrage von «Tamedia», die im April veröffentlicht wurde, befürworten 52 Prozent die Initiative. Selbst bei den Grünen gibt es mit 23 Prozent eine auffällig hohe Zustimmung. Wie erklärst du dir das?

Es gibt historisch einen braunen Anteil in der grünen Bewegung. Ein Beispiel dafür ist die Ecopop-Initiative, die 2014, vermeintlich zum Schutz der Umwelt, eine Reduktion der Bevölkerung wollte und grüne Sympathien dafür fand. Dabei wird ausgeblendet, dass es nicht darauf ankommt, wie viele Menschen im Land leben, sondern welchen Fussabdruck sie hinterlassen: Wie viel Wohnfläche wird beansprucht, wie oft geflogen, wie viel Fleisch konsumiert.

Daran knüpft nun auch die aktuelle Initiative an. Mit dem Titel «Nachhaltigkeitsinitiative» positioniert sich die SVP als vermeintlich nachhaltige Partei.

Ich habe noch nie erlebt, dass sich die SVP für Nachhaltigkeit einsetzt, im Gegenteil: Sie ist die grosse Unterstützerin der Reichen, der Privilegierten, der Wirtschaft. Diese Initiative mit dem Begriff der Nachhaltigkeit zu überschreiben, ist infam. Die SVP weiss genau, welche Themen anschlussfähig sind: Auch Linke und Grüne haben Probleme, eine Wohnung zu finden oder sitzen mal in einem vollen Zug. Ich hoffe auf eine informierte Öffentlichkeit, die nicht darauf reinfällt.

Cécile Bühlmann unterrichtete von 1970 bis 1981 an der Primarschule Reussbühl in Luzern. Von 1981 bis 1989 war sie Beraterin auf der Ausländerberatungsstelle ARBAL. Anschliessend war sie als Beauftragte für Interkulturelle Erziehung beim Kanton Luzern tätig und als Dozentin für Interkulturelle Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Luzern. Von 1991 bis 2005 war sie Nationalrätin für die Grünen.

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    Giulia Bernardi (Interview) und Kim da Motta (Bild)