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Ausstellungsansicht im Sankturbanhof, fotografiert von Christian Hartmann

31.03.26

Kunst

Keine feste Grösse

In Sursee ist Kunst nicht massentauglich. So zumindest sieht es die Stiftung Sankturbanhof und will im dazugehörigen Museum auf den Schwerpunkt Kunst verzichten.

Jonas Frey (Text) und Christian Hartmann (Bild)

Die Ankündigung steht in einem kurzen Nebensatz der Medienmitteilung: In Zukunft verzichtet das Museum Sankturbanhof in Sursee auf den Schwerpunkt Kunst. Dies gab der Stiftungsrat im September 2025 bekannt. Als Mehrspartenhaus für Kunst und Geschichte mit einer eigenen historischen Sammlung besteht das Museum seit der Sanierung, über die im November 2004 abgestimmt wurde. Nach über 20 Jahren sollen zukünftig also nicht mehr «klassische Ausstellungen» im Vordergrund stehen, sondern «Menschen mit ihren Ideen, Interessen und Projekten». Ziel sei es, Ende 2026 mit dem neuen Betriebskonzept zu starten.

zu «städtisch» für Sursee

Heisst das nun, dass der Kunstraum komplett wegfällt? Judith Studer-Niederberger, Präsidentin der Stiftung Sankturbanhof und Vorsteherin des Ressorts Bildung und Kultur der Stadt Sursee, will diese Frage im Telefongespräch nicht abschliessend beantworten. Klar sei lediglich, dass das Museum Sankturbanhof weiterhin an «Regional Luzern» beteiligt sein werde, einer Ausstellung, die alle zwei Jahre den Fokus auf das lokale Kunstschaffen legt und an verschiedenen Orten in der Region gezeigt wird. «Der Stiftungsauftrag hat den Sankturbanhof immer als Mehrspartenhaus und nie als reines Kunsthaus definiert», sagt Studer-Niederberger. Die konkrete Ausgestaltung finde gemeinsam mit der zukünftigen Museumsleitung statt. Die Zusammenarbeit mit der vormaligen kuratorischen Leitung wurde im April 2025 beendet. Was bereits feststeht: Das Haus soll partizipativer werden. «Im Jahr 2024 führten wir eine Umfrage durch, die zeigte, dass das Haus zuvor wenig Nähe zur Bevölkerung schuf und als elitär wahrgenommen wurde.» Die Umfrage, die sich unter anderem an die Stadt Sursee, an Stiftungen, Quartiervereine oder benachbarte Gemeinden richtete, habe ergeben, dass es für die künstlerische Ausrichtung zu wenig Potenzial gebe, um die lokale Bevölkerung abzuholen. «Das mag in Luzern oder Zürich funktionieren, aber in Sursee haben wir eine andere Rückmeldung erhalten.» Studer-Niederberger spricht von mangelnden Besuchszahlen und vom politischen Rückhalt, den man mit dem alten Ausstellungskonzept nicht habe finden können. Der grösste Teil der Finanzierung wird von der öffentlichen Hand getragen. «Wenn die Wirkung des Hauses mit den finanziellen Zuwendungen der öffentlichen Hand im Ungleichgewicht steht, trägt der Stadtrat die Verantwortung», sagt Studer-Niederberger und verweist auf die aktuell angespannte Finanzlage.

«Unsere Erfahrung zeigt, dass sich auch ein lokales Publikum entwickelt, wenn ein Kunstraum kontinuierlich präsent ist.»

Kuratorisches Team, Sic! Elephanthouse

Im Museum Sankturbanhof existiere mittlerweile ein Konzept zur Neuausrichtung des Museums hin zu einem Begegnungshaus, eine Informationsveranstaltung sei im April geplant. «Schon die kommende Ausstellung ist als partizipatives Projekt konzipiert. Die Zunft Heini feiert ihr 150-jähriges Jubiläum und hat uns für eine Kooperation angefragt.» Das Gespräch mit Judith Studer-Niederberger erweckt den Eindruck, als ob der Stiftungsrat Kunst als zu «städtisch» für Sursee versteht – und sie mit vermeintlich «lokaleren» Themen ersetzen möchte. Partizipation scheint dabei vor allem als Kooperation mit lokalen Vereinen verstanden zu werden. Gegen Ende relativiert Studer-Niederberger denn auch ihre Aussage: «Ich kann mir vorstellen, dass der partizipative Zugang und die Kunst in einer Ausstellung vereint werden. Sollten sich Kunstschaffende darauf einlassen wollen.»

Eine «riesige Lücke»

Einer, der sich dazu bereit zeigt, ist der Künstler Jeremias Bucher aus Sursee. «Partizipative Ausstellungen sind ein tolles Format. Ich wäre dabei», sagt er im Gespräch. «Allerdings habe ich die Medienmitteilung der Stiftung so verstanden, dass es für Kunstausstellungen keinen Platz mehr haben wird.» Sieben Mal hat der Künstler in den letzten Jahren im Museum Sankturbanhof ausgestellt. Als er hörte, dass der Schwerpunkt Kunst zukünftig nicht mehr bestehen solle, sei er sprachlos gewesen, da damit eine wichtige Plattform verloren gehe – insbesondere für Künstler:innen auf dem Land, die nicht so einfach Zugang zu Kunsträumen in der Stadt haben. «Es macht den Anschein, als ob Kunst in Sursee als Randerscheinung verstanden wird.» Bei so wenigen Ausstellungsräumen in der Provinz öffne sich mit dem Wegfall des Ortes eine «riesige Lücke».

Diese Perspektive bestätigen auf Anfrage auch andere Kunsträume aus der Region. Simone Stenger etwa, die Leiterin des Entlebucherhauses in Schüpfheim, hat vor Kurzem eine Ausschreibung für eine Werkausstellung veröffentlicht. «Ich erhalte auch viele Eingaben von Künstlern aus Sursee und Sempach», sagt sie im Gespräch. «Vielleicht hängt das tatsächlich damit zusammen, dass der Sankturbanhof als Kunstraum wohl wegfallen wird.» Das kuratorische Team des Ausstellungsraumes Sic! Elephanthouse in Luzern schreibt auf Anfrage: «Gerade Offspaces leisten einen grossen Teil experimenteller und unabhängiger Ausstellungsarbeit und fangen oft auf, was institutionell wegfällt.» Viele Besucher:innen kämen zwar aus grösseren Städten, da dort Kunst stärker im Alltag verankert sei und entsprechende Netzwerke bestünden. «Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass sich auch ein lokales Publikum entwickelt, wenn ein Kunstraum kontinuierlich präsent ist. Das Interesse ‹auf dem Land› ist für uns deshalb keine feste Grösse, sondern hängt stark von Angebot, Präsenz und Austausch ab.»

In der Stiftung Sankturbanhof scheint sich eine andere Devise durchgesetzt zu haben: dass Kunst kein massentaugliches Format für Sursee ist. Um niemanden zu vergraulen, lässt man noch vieles offen. Aber die Stossrichtung steht fest.

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Jonas Frey

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