
30.09.26
The DJ’s favorite DJ
Ende August meldete die Dein Ding AG überraschend Konkurs an. Für den Klub Kegelbahn bedeutet dies das endgültige Aus – zumindest in seiner bisherigen Form.
Rosa Zimmer (Text) und Tom Huber (Bild)
Fahrrad an Fahrrad reiht sich am Trottoir. Der Mix aus Zugankünften und -abfahrten, Bus-, Auto- und Veloverkehr erzeugt ein beständiges Surren. An der Baselstrasse in Luzern vibriert die Stadt an diesem Samstagabend.
Vor der Kegelbahn sitzen Besucher:innen eng beieinander auf Festbänken: Menschen, die sich seit ewig kennen oder sich soeben erst begegnet sind. Sie lachen, rauchen und schwatzen miteinander. Eine enge Treppe führt hinunter zum Klub, zu einem dunklen Kellerraum voller Zigarettenrauch und Nebel. Der Bass dröhnt durch die Wände der Kegelbahn, Dreh- und Angelpunkt der alternativen Szene Luzerns. 13 Jahre Klubgeschichte hallen hier nach.
Das erste DJ-Set
«Vieles ist hinter den Kulissen passiert», sagt Flo Dalton, langjähriger Booker der Kegelbahn. «Wenn um sechs Uhr das Licht anging und sich die letzten Besucher:innen auf den Heimweg machten, konnte man vor zehn Menschen sein erstes DJ-Set spielen.» Dalton war schon lange vor seiner Anstellung mit der Kegelbahn verbandelt: Schon vor über einem Jahrzehnt veranstaltete er Partys und legte als DJ auf. Später arbeitete er an der Bar im Kaffee Kind, das wie die Kegelbahn von der Dein Ding AG betrieben wurde. Von Freitagabend bis Sonntagmorgen war er mehr in der Kegelbahn als zu Hause. «Hobby, Beruf, Herzblut, Freundschaft – alles war verwoben an diesem Ort», erinnert er sich. In der Kegelbahn besetzte er über die Jahre praktisch alle denkbaren Rollen: Türsteher, Bartender, DJ, Techniker, Booker und Teamchef.
Auch Ilayda Zeyrek teilt eine lange Geschichte mit der Kegelbahn. Erst war sie als Besucherin da, dann als Veranstalterin, als DJ, als Türsteherin und seit Dezember 2025 als Betriebsleiterin. In die Rolle der Veranstalterin zu schlüpfen, sei einfach gewesen: Nach den Klubnächten blieb Zeyrek als Jugendliche länger da und kam ins Gespräch mit der damaligen Betriebsleitung. Schnell und unkompliziert konnte sie ihre ersten Events planen.
Zur richtigen Zeit
«Good music is beyond genre.» Das Motto war schon immer Programm. «Für viele Menschen war die Kegelbahn ein Technoklub. Wenn man involvierter war, hat man gemerkt, wie vielseitig die Styles waren und wie viele Zyklen der Klub seit seiner Gründung durchlaufen hat», sagt Ilayda Zeyrek. «Es gab eine grosse Offenheit für verschiedene Strömungen.» Dabei habe sich ihr eigener Musikgeschmack parallel zum Sound der Kegelbahn verändert. Zunächst prägten Gothic Industrial, New Wave und Dark Wave den Klub. Während und nach der Pandemie lief dann mehr Hyperpoppiges. Dadurch wechselte auch das Publikum fortlaufend: Am einen Tag tauchten die Studierenden der Kunsthochschule auf, am nächsten die Metalheads.
Für Zeyrek hatten die Veranstalter:innen der Kegelbahn ein Talent dafür, Artists zur richtigen Zeit auf die Bühne zu holen. Der letztjährige ESC-Teilnehmer Tommy Cash spielte bereits 2016 in der Kegelbahn, und die Deutschrap-Ikone Ikkimel trat schon 2023 im kleinen Keller auf. Heute füllt sie die Parkbühne Wuhlheide in Berlin oder das Hallenstadion in Zürich. «Jahre später denkt man sich: Ich kann nicht glauben, dass das mal in Luzern gelaufen ist.»
Auch Flo Dalton schwärmt von speziellen Nächten: «Wir hatten Namen hier, die waren ‹the DJ’s favorite DJ›. So zum Beispiel DJ Sotofett, NDRX oder Lauri Soini.
Die Sache zum Guten wenden
Für Flo Dalton veränderte sich mit der Professionalisierung der Dein Ding AG in den letzten drei Jahren vieles: Die Mitarbeitenden hätten gelitten, weil Einzelpersonen den ganzen Betrieb alleine stemmen wollten. Das Nachtleben in Luzern wurde durch die Pandemie in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Kegelbahn blieb von den Folgen nicht verschont. «Es war nicht mehr das Gleiche», sagt Dalton. 2025 verliess er die Kegelbahn.
Als Ilayda Zeyrek als Betriebsleiterin eingestellt wurde, war ihr Job klar: die Sache mit der Kegelbahn zum Guten zu wenden. Im letzten halben Jahr beherbergte der Klub eine Breite an verschiedenen Events: Das Kollektiv «Frequency Switch» organisierte hybride Abende mit experimentellem Noise, Ambient Sound und Performances. Das «Liebe Grüsse Kollektiv», eine Gruppe, die sich aus Studierenden der lokalen Kunsthochschule formiert hat, organisierte Drag Performances, Makeover-Sessions und Videoscreenings. An solche Veranstaltungen erinnert sich Zeyrek gerne: «Es war toll, dass der Raum auch ausserhalb der üblichen Klubzeiten genutzt wurde.»
Wie es mit der Kegelbahn weitergeht, ist aktuell noch unklar. Es hat sich jedoch schon eine Gruppe um Zeyrek gebildet, die interessiert daran ist, den Raum als autonomen Kulturort weiterzuführen. Der Keller, so die Vision, solle von verschiedenen Veranstalter:innen niederschwellig genutzt werden. Weitere Parteien sind ebenfalls am Raum interessiert. Wer ihn bekommt, ist noch offen.








