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Echolot, Marcel Vogler

30.09.26

Musik

Auf den Bühnen der Stadt

Mit 14 Locations und rund 40 Artists geht das Echolot Festival in die nächste Runde. Wie das gelingt? Ein Gespräch mit Eleonora Camizzi und Sam Aebi.

Rosa Zimmer (Interview) und Marcel Vogler (Bild)

Das Echolot zeichnet sich durch seine vielseitigen Veranstaltungsorte aus: Neben Kleintheater und Neubad wurden auch schon die Pauluskirche oder ein Fitnessstudio bespielt. Dieses Jahr finden Konzerte unter anderem in einer Autogarage oder einem Blumenladen statt. Ist das euer Motto: The crazier the better?

Sam Aebi: Ja, definitiv! Das Location-Team sucht nach Orten, in denen man kein Konzert erwarten würde. Einige Orte wie das Kleintheater sind mittlerweile zu festen Bestandteilen geworden – andere wechseln jährlich. Das kommt natürlich auch daher, dass Räume in Luzern nicht unendlich vorhanden sind. Aber das Locations-Team schafft es immer wieder, etwas Neues zu entdecken.

Wie seid ihr als Team aufgestellt? Welche Aufgaben übernehmt ihr?

Eleonora Camizzi: Wir sind insgesamt 25 Personen im Kollektiv, alle arbeiten ehrenamtlich. Ich bin aktuell für die interne Awareness zuständig.

SA: Ich für die Kommunikation.

Ist das logistisch nicht unglaublich aufwendig mit über zehn Locations?

EC: Wir sind darauf angewiesen, dass gewisse Locations bereits eine Infrastruktur aufweisen. Zudem hilft es sehr, dass in den jeweiligen Ressorts immer mehrere Personen die Verantwortung tragen. Und in unserem Team sind einfach alle unglaublich hilfsbereit. Am Festival wuseln alle herum, dann schreibt jemand im Chat: Wir brauchen Unterstützung. Nach zehn Minuten ist die Sache erledigt.

SA: Weil wir so ein grosses Team sind und so viele Helfer:innen, die überall verteilt sind, können wir auch spontan reagieren. Aber wir machen uns Gedanken, wie wir unsere Ressourcen schonend einteilen können. Daher kam zum Beispiel die Entscheidung bei der letztjährigen Ausgabe, dass in einer Location mindestens zwei Konzerte stattfinden müssen.

Wie kombiniert ihr Artist und Location?

SA: Da spielen viele Faktoren mit, vor allem logistische und technische. Wie gross ist die Venue? Wie viel Kapazität hat sie? Welche Infrastruktur besteht? Eine grosse Produktion mit vielen Menschen ist sicher nicht für einen kleinen, schlecht ausgestatteten Raum geeignet.

EC: Wenn ich am Festivalwochenende das Zusammenspiel aus Location, Booking, Deko und der ganzen weiteren Organisation sehe, fühlt sich das ein bisschen nach Zauberei an.

Ein Festival in dieser Grösse aufzuziehen, ist kein Zuckerschlecken. Wie funktioniert das finanziell?

EC: Wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Es funktioniert nicht. Die ganze Arbeit wird gratis gemacht. Es ist ein Glück, dass so viele Menschen mit Herzblut hinter dem Festival stehen. Aber es stimmt mich nachdenklich: So viel Kultur basiert nur auf freiwilligem Engagement. Dafür bin ich dankbar und gleichzeitig frage ich mich: Wie geht das langfristig weiter?

SA: Am Ende des Jahres stehen wir oft ohne Gewinn da. Wir wollen faire Gagen zahlen, sind zugleich auf viel Freiwilligenarbeit, auf den Goodwill unserer Partner:innen und auf Fördergelder angewiesen. Letztere sind immer eine Lotterie: Wir wissen erst kurz vor der Durchführung, wie wir finanziell dastehen.

«Es ist ein Glück, dass so viele Menschen mit Herzblut hinter dem Festival stehen. Aber es stimmt mich nachdenklich: So viel Kultur basiert nur auf freiwilligem Engagement.»

Sam Aebi

Wie entstehen Kooperationen?

EC: Sehr intuitiv. Mit 25 Personen eröffnen sich viele unterschiedliche Perspektiven  auf  eine Stadt wie Luzern. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel einen gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt gemacht und nach neuen Orten Ausschau gehalten.

SA: Die Kooperationen beschränken sich aber nicht nur auf die Locations. Von den Getränken über die Hotellerie bis hin zum Booking gibt es Kooperationen. Das Luzerner Kollektiv Endless Bazaar programmiert schon seit längerem mehrere Artists für uns. Neu dabei ist dieses Jahr das Festival de la Cité aus Lausanne.

Was sind eure Geheimtipps für diese Ausgabe?

SA: Musikalisch freue ich mich sehr auf Sistra – ein Duo aus London. Und auf die Konzerte in der Autogarage Michel Cars.

EC: Ich freue mich mega auf das neue Format «Echo Art». Schon eine Woche vor dem Festival wird an verschiedenen Locations Kunst ausgestellt – frei zugänglich. Im Blumenladen Saladin, in der neuen Apotheke, im Alfred und im Arlecchino treffen Konzerte oder DJ-Sets auf die Kunstwerke. Aber es gibt auch Räume, die ausschliesslich der Kunst gewidmet sind: Im Sic! Elephanthouse und in einem VBL-Bus vor dem Neubad finden dieses Jahr zum ersten Mal Ausstellungen statt.

Wie kam es zu dieser Programmerweiterung?

EC: Eine Person wollte das schon lange machen. Das restliche Team war bisher eher zurückhaltend, da allein mit dem Musikprogramm schon genug Arbeit anfällt. Ausschlaggebend war schliesslich die Frage der Nachhaltigkeit und der Wertschätzung den Gestalter:innen und ihren Objekten gegenüber. Für diese Ausgabe haben Lynne Kopp, die schon seit einiger Zeit das Deko-Ressort verantwortet, und Jeremias Fries ein Programm kuratiert, an dem auch Objekte aus vergangenen Ausgaben zu sehen sind.

Auf welche Sparten können wir uns nächstes Jahr freuen? Film? Theater?

EC: Wer weiss? (Lacht.) Welche Wortspiele gibt es denn noch mit Echolot?

Eleonora Camizzi ist Filmeditorin, Regisseurin sowie Produzentin.

Sam Aebi ist freischaffender Foto- und Videoproduzent.

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