
02.09.26
Das Schöne an der Provinz
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? Unterwegs mit der Redaktion des Kulturmagazins «Saiten».
Giulia Bernardi, Robyn Muffler und Raphael Albisser (Text) und Claudia Schildknecht (Bilder)
«Den haben wir für euch organisiert!», witzelt Daria Frick, als wir uns dem Firmen-Apéro auf dem Vorplatz der Lokremise nähern; den weiss gedeckten Tischen, den elegant gekleideten Gäst:innen, die mit Anzug und Krawatte der Hitze des Nachmittags trotzen. Die Lokremise sei eher ein Ort für institutionalisierte Kunst, sagt Frick, die uns an diesem Tag gemeinsam mit ihren Redaktionskollegen David Gadze und Roman Hertler durch St. Gallen führt. Dies wird beim Rundgang durch das aufgewertete Depot deutlich, das einst der Wartung von Dampflokomotiven diente und seit Anfang der Nullerjahre fortlaufend zum Kulturzentrum umgewandelt wurde. Im ersten Moment erinnert es mit seiner runden Form ein bisschen ans Bourbaki, doch die Nutzung ist weit umfangreicher. Während bis 2004 die Galerie Hauser & Wirth hier eingemietet war, sind es heute verschiedene Institutionen: Das Kunstmuseum ist mit einem Ausstellungsraum präsent, das Theater St.Gallen mit einer Bühne für Produktionen, die etwas «edgier» sind, wie es Frick formuliert. Neben dem Gastronomiebetrieb befindet sich in der Lokremise auch das Programmkino Kinok, das laut Hertler gegenüber dem letzten verbliebenen Kommerzkino der Stadt noch kein Publikum an die Streamingdienste verloren hat. In der Lokremise sei er nicht so oft, doch wenn, dann am ehesten für einen Film.





