
14.01.26
Film
Das Schweigen der Männer
Edwin Beeler erzählt in seinem neuen Film von rigiden Vorstellungen von Männlichkeit und der Zerbrechlichkeit psychischer Gesundheit. Fast beiläufig und doch präzise zeichnet er gleichzeitig ein Porträt der ländlichen Schweiz.
Anna Chudozilov (Text)
Im Januar feiert Edwin Beelers achter Kinofilm Premiere. Man merkt seinen Arbeiten an, dass der 67-Jährige Geschichte studiert hat: Sie sind sorgfältig recherchiert, geprägt von klugem Umgang mit Quellen und dem Bewusstsein, dass jeder Film nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch ein Zeitdokument ist. In «Der Mann auf dem Kirchturm» richtet Beeler den Blick auf das Leben eines Menschen, der auf Dächern aufblühte und in einem Keller starb. Der Mann, der auf dem Filmplakat hoch oben auf einem Kirchturm zu sehen ist, war der Grossvater des Filmemachers. Das Foto kennt Beeler seit Kindstagen, es hing in der Stube seiner Grosseltern. Der Grossvater war damals ein Held für ihn, in der Kaminfegerkluft ein Glücksbringer, eine fast schon magische Figur: ausgestattet mit einem Zylinder wie ein Zauberer, mutig dort am Arbeiten, wo sich kaum einer hinwagt.


