Wo Funken zu Vulkanausbrüchen werden

KKL Luzern, 26.05.2019: Die Bühne war vollgepackt, der Saal bis auf den letzten Sitzplatz ausverkauft. «Das Beste aus 20 Jahren» wurde vom 21st Century Orchestra während der Dauer eines Kinoabends gespielt und zelebriert. Prominente Gäste schmückten das Fest des inzwischen international bekannten und gefragten Chefdirigenten Ludwig Wicki.

Bild: Martin Dominik Zemp

Unbeschwert und humorvoll erlebten die Zuschauer am vergangenen Wochenende den Moderator am zweiten Jubiläumskonzert «Das Beste aus 20 Jahren»: Kein Geringerer als Stephan Klapproth, ehemaliger Frontmann des Informationsmagazins «10vor10» des Schweizer Fernsehens, erschien bei der KKL-Orgel und überraschte mit einem geistreichen Eröffnungsgedicht, geschmückt mit Filmtiteln aus dem breiten Repertoire des gefeierten Orchesters. Amüsiert und voller Vorfreude erwarteten die Zuhörer*innen die Fanfaren des wohl berühmtesten Science-Fiction-Films, der je produziert wurde: «Star Wars».

Pompös eröffnete die Bläsergruppe den musikalischen Abend und der Rest des 21st Century Orchestras liess sich vom Elan des Dirigenten mitreissen. Ludwig Wicki, künstlerischer Leiter des 21st Century Orchestras und Stiftskapellmeister der Hofkirche Luzern, schaffte es, die Aufmerksamkeit der zahlreichen Musiker*innen, die sich auf und über der Bühne befanden, zu bündeln und sorgte für einen Vulkanausbruch der Musik.

Ein Cimbalom, eine Whistle & eine Ocarina

Bei der Besetzung hatte das 21st Century Orchestra alle Register gezogen: die KKL-Orgel, ein Akkordeon, ein Cimbalom, eine Whistle, eine Ocarina und sogar eine Duduk kamen zum Einsatz. Auch die Musik, die an diesem Abend gespielt wurde, deckte alle grossen Meister der Filmmusik ab: Von John Williams («Star Wars») über James Horner («Avatar») bis hin zu Danny Elfman («Alice in Wonderland») gab es nichts, was das 21st Century Orchestra nicht zu meistern gewusst hätte.

Zwischen den Werken schwelgten Ludwig Wicki und Stephan Klapproth in Erinnerungen an die Gründung des Orchesters im Jahre 1999, als der Dirigent mit einer Handvoll Musiker*innen seinen innigsten Traum wahr werden liess. Wicki erzählte von Pannen an Konzerten und beschrieb sein Kaffeekränzchen mit dem ernsten Ennio Morricone, dem italienischen Komponisten berühmter Filmmusik wie etwa zum Streifen «The Hateful Eight». Die Dialoge hinterliessen einen sympathischen Eindruck und liessen nichts von den sagenumwobenen Streitigkeiten mit Pirmin Zängerle, dem ehemalige Produzent des Orchesters, erahnen.

Kaitlyn Lusk, Gesangssolistin in Howard Shores musikalischer «Herr der Ringe»-Trilogie, entlockte ihrer Stimme unglaubliche Höhen und eine Klarheit, die es selten zu hören gibt. Als Überraschung vor der Pause sangen Pee Wirz von Dada Ante Portas, KUNZ und Noah Veraguth von Pegasus ein kleines «Best Of», um einen Einblick in die Zusammenarbeit mit dem 21st Century Orchestras zu gewähren.

«The Good, the Bad and the Ugly»

In Fentons Opening Title aus «Deep Blue» erschuf der 21st Century Chorus eine Atmosphäre, die einem unendlich scheinenden Ozean glich, dessen Bewohner durch das Wasser glitten, als gäbe es keine Schwerkraft auf dieser Welt. Morricones Main Theme aus «The Good, the Bad and the Ugly» erlaubten es dem Chor eine Diversität von Klängen aufzuzeigen, die das Publikum zum Lächeln brachte. Ein beeindruckendes Pfeif-Solo rief den Zuschauer*innen die Szenen des Italowesterns ins Gedächtnis und ein imaginärer Geruch nach Schweiss und verbrannter Haut stieg im weissen Saal auf.

Zwischen den Gefährten im Auenland und den kämpfenden Gladiatoren packte Stephan Klapproth die Gelegenheit, um die politische Situation von 1999 und Heute zu vergleichen. Er erlaubte sich einige scharfzüngige Bemerkungen über die aktuellen Herrscher im Westen und Osten zu machen und untermalte die unüberhörbare Ironie mit den Worten: «Nur wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.»