Neues vom König

Kleintheater Luzern, 02.12.14: King Pepe & Le Rex taufen ihre Platte «70% Wasser». Die Musik hat sich irgendwo zwischen Pop und Jazz angesiedelt, die Texte bleiben skurril – und es wäre durchaus tanzbar gewesen. Von Patrick Hegglin
Die Kombination aus dem (wohl aus historisch-geografischen Gründen) gerne als «Troubadour» bezeichneten Berner Simon Hari, a. k. a. King Pepe und der Jazzband Le Rex (Marc Stucki: Tenorsax, Bassklarinette, Melodica /Andreas Tschopp: Posaune / Marc Unternährer: Tuba / Rico Baumann: Schlagsachen) ist eine bewährte. Bereits für die Live-Umsetzung der letzten regulären Pepe-Scheibe, Pepejazz (2013), wurde zusammengespannt. Dass aus dieser Zusammenarbeit nun eine gemeinsame Platte entstanden ist, überrascht angesichts der grandiosen Konzerte damals nicht. «70% Wasser» klingt unverkennbar nach King Pepe – aber nicht so, wie man ihn kannte. Weniger flirrend und kleinteilig als «Pepejazz» zwar, aber viel flirrender und kleinteiliger als «Tierpark» (2011). Dafür über weite Strecken eingängiger als «Pepejazz», aber ohne die schlichten und charmanten Pop-Nummern von «Tierpark». Was aber unverändert bleibt, sind Pepes Faible und ausserordentliches Talent für skurrile Texte und die «Du chasch mer am Holzbei sage»-Attitüde. Der Mann, der sich einst fragte, wer denn seine Gebeine mit nach Hause nehmen wird, hält nun Predigten: «Selig sige die, wo ds Liecht gseh, selbscht wenns under em Scheffel steit / Selig sige die wo wüssed, was e Scheffel isch / Macht’s ou ned besser» (Seligpreisungen) und besingt Nadescha Tolokonnikova (Zitat Booklet: «Pepe täuscht eine Liebeslied vor, um der bevorzugten Attitütde des ernstzunehmenden Schweizer Künstlers zu frönen: Leiden an Schicksalslosigkeit. Titelgebende Heldin ist die von Pussy Riot. Die Schöne.»). Und besingt auch sonst, was Pepe schon immer am besten besungen hat: Liebe (auch und gerade körperlicher Art), sich selber und die Doofheit des Lebens. Schliesslich gilt: «Doof isch ändlos / Schönheit ender ned». Und wie kommt das Ganze jetzt eigentlich live? Es kommt gut. Hari croont und tanzt sich ansteckend gut gelaunt durch den Abend, und spielt auch mal drei Instrumente im Verlauf eines Liedes. Le Rex liefern dabei mit viel Verve das musikalische Fundament: Tuba und Schlagzeug treiben die Lieder kraftvoll vorwärts, die Bläser umrahmen des Königs Gesang gekonnt und variantenreich, und gelegentlich gibt es ein Pfeif- oder A-Cappella-Chörchen. Man hätte sich gerne ein bisschen bewegt im gestuhlten Kleintheater. So aber gedachte man «Mama Africa» (Zitat Booklet: «Mama Africa lebt mitten unter uns. Sie/er ist extrem locker drauf und lässt dich bei jeder Gelegenheit spüren, dass du es nicht bist») – und beliess es beim vergnügten Kopfnicken und Stämpfeln.