Gedruckte Wahrheiten

Emmenbrücke, 05.05.2019: Die Kunstplattform akku eröffnete am Mittwoch die Ausstellung «wie gedruckt». Es wurde geprägt, gepresst, gestempelt und gestrampelt. Das Ergebnis der elf Künstler*innen ist so facettenreich wie die analoge Kunstform selbst.

Druck. Ein Wort und Baustein, mit dem gebastelt werden kann, der je nach Kontext unzählige neue Formen und Bedeutungen annimmt. Nehmen wir den Druck als Gestaltungsmedium, zeigt sich: Hinter diesem Begriff erstreckt sich eine schier unendliche Landschaft der Möglichkeiten.Es geht um Drucktechniken, Farben, Kompositionen … und natürlich die Ideen der Künstler*innen dahinter. «Wie gedruckt» heisst die aktuelle Ausstellung der Stiftung akku Emmen in der Viscosistadt, die druckgrafische Exponate von insgesamt elf Künstler*innen aus den Regionen Luzern und Zürich präsentiert. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein.

Steigt man die Treppe zur hellen, einladenden Halle des ehemaligen Fabrikgebäudes hinauf, sticht einem sogleich Andreas Webers «KISTE» ins Auge. Das Werk besteht aus 42 von Hand auf Viskosepapier gedruckten Abbildern des Hallenbodens, die im Raum zu schweben scheinen. Sie stehen für Kunst und Geschichte – eine Erinnerung an die Ausstellungshalle zu jener Zeit, als sie noch für die Produktion von Kisten gebraucht wurde. Eine ganz andere Form der Installation, Maria Bills «Barre Oblique», spannt sich gleich über zwei Wände. Die einzelnen Monotypien wurden geschickt zusammengefügt, sodass siedas Gefühl erwecken, die abgebildete, graue Stadt würde in den Raum hinauswachsen.

Menschliche Triebe und Architektenzeichnung

Der Name der Ausstellung entstammt der alten Redewendung «lügen wie gedruckt», die bis ins 15. Jahrhundert zurückzuführen ist – und wird in dessen Gegenteil verkehrt. Dass dem Gedruckten zu Beginn viel Misstrauen entgegengebracht wurde und dass es auch heute in Bezug auf die Digitalisierung immer öfter hinterfragt wird, greift die Ausstellung auf. «Hier ist nichts gelogen, hier ist alles echt und direkt», meint Kuratorin Lena Friedli. Die druckgrafischen Arbeiten entstanden auf aufwendigen Wegen, oftmals durch viel Experimentieren, Feingefühl und Durchhaltevermögen der Künstler*innen. Das Echte und Direkte packt die Betrachter*innen bei Achim Schroetelers Werk «ALL IN», das aus 6 Serien à 12 Bilder besteht und mit seinen verstellten Gesichtern, nackten Frauenkörpern, Fluchworten und Farbausbrüchen an menschliche Triebe erinnert.

Wie die Farben, Formate und Produktionsverfahren von Werk zu Werk unterschiedlich sind, so sind es auch ihre Inhalte. Irène Wydlers Lithografien auf Chinapapier setzen sich aus Strichen und feinen Schatten zusammen, entstehen durch aufeinandergeschichtete Zeichnungen, ähneln auf den ersten Blick Architektenzeichnungen.

Hier trifft Farbiges auf Graues, Abstraktes auf Konkretes, Luftiges auf Schweres. Wer sich heute also fragt, wieso in der heutigen Zeit noch gedruckt wird, sollte dem akku einen Besuch abstatten. Druckgrafik mag alt sein, aber definitiv nicht veraltet.

Lena Friedli: «Wie gedruckt»
DO 6. Juni bis SO 7. Juli

All in – gemeinsamer Rundgang mit allen ausstellenden Künstler*innen
DO 27. Juni

Wie am Anfang: Drucken mit Otto Heigold (mit Anmeldung)
SA 29. Juni

Führung mit Lena Friedli, Kuratorin
SO 7. Juli, 11 Uhr

Kunstplattform akku, Emmenbrücke