
22.06.26
Ein Stück Stoff tanzen
Wie lassen sich politische Inhalte auf die Bühne bringen? Ein Besuch beim Showing von «Raising Flags», ein Stück, das sich mit der scheinbar harmlosen Ästhetik nationaler Symbole befasst.
Jonas Rippstein (Text) und Noëlle Guidon (Bild)
An einem Abend im April hat sich die «Mittlere Halle» im Südpol, ausgelegt mit grünem Kunstrasen, in ein Fussballfeld verwandelt: Im Stück «Raising Flags», das im Rahmen eines Sharings zum ersten Mal und noch unfertig dem Publikum gezeigt wird, treten die Tänzerinnen Angela Aldebs und Nabila Al Hakim in Sporttrikots gegeneinander an. Die Komponistin Rosanna Zünd spielt neben dem Feld Akkordeon und singt. Ihre Musik klingt wie eine Hymne, die wehmütig den Raum füllt. «Mir hend eus verschätzt – ‹nie meh› isch jetzt.» Die Songtexte handeln von Verbrechen, die im Namen von Nationen begangen werden. Konkrete Ereignisse werden dabei nicht benannt; vielmehr entsteht aus den Worten ein Resonanzraum, der an aktuelle Kriege, wie jener in Gaza, erinnert. Trotz grossem Leid tragen die Melodien gleichzeitig auch etwas Hoffnungsvolles in sich – ein Motiv, das das gesamte Stück begleitet.



