20_02_Februar_FOKUS_Pessimismus_Museen_Fusion

FOKUS: PESSIMISMUS

 

Was bisher geschah …

     - In rund fünf Jahren ist die vollständige Zusammenlegung der beiden Luzerner kantonalen Museen geplant. Das Historische Museum und das Natur-Museum sollen dann zum Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft an einem gemeinsamen Standort verschmolzen sein. Dieses soll Ausstellungen realisieren, die aktuelle Themen wie etwa den Klimawandel sowohl aus historischer wie auch aus naturwissenschaftlicher Perspektive beleuchten.

     - Die Fusion der beiden Museen soll mit einer Budgetkürzung von 0,8 Millionen Franken pro Jahr einhergehen (bei einem Budget von derzeit 3,8 Millionen Franken).

     - Die Exekutive ging zunächst von Investitionen in der Höhe von 13 Millionen aus. Wie hoch diese tatsächlich ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, in erster Linie aber vom künftigen Standort.

     - Die Regierung favorisiert zurzeit das Zeughaus auf der rechten Reussseite unterhalb der Museggmauer als Standort. Hier haben gemäss Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann erste grobe Schätzungen Investitionskosten von rund 18 Millionen Franken ergeben. Rund die Hälfte davon entfiele aufs Museum.

     - Zurzeit zeichnet sich bei der Zusammenlegung der beiden Häuser eine Reduktion der Ausstellungsfläche um knapp 50 Prozent ab (auch, wenn das zusammengelegte Museum am Standort des heutigen Natur-Museums untergebracht würde). Künftig sollen etwa 2300 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

     - Die Vollzeitstellen sollen ab 2021 von 18 auf 15 oder 16 reduziert werden.

Was wir befürchten …

These 1

Aus zwei mach eins: Das bedeutet, dass sich auch die Anzahl der verkauften Eintrittskarten halbieren wird. Die Besucherzahlen fallen nach starken Jahren in den Keller. Die öffentliche Akzeptanz für das vergleichsweise schlecht besuchte Museum sinkt.

Kilian T. Elsasser: Wohl kaum. Das Museum wird weiterhin stark besucht sein. Zudem spielen bei öffentlichen Museen die Einnahmen durch Besucherzahlen kaum eine Rolle. Schaut man sich das Natur-Museum an, hat dieses einen aktuellen Kostendeckungsgrad von grob geschätzten 12 Prozent. Tatsächlich spielen dabei 10 000 Besucherinnen und Besucher mehr oder weniger eine kleine Rolle. Was bei der Zusammenlegung hingegen zentral sein wird, sind die Einsparungen, die man mit der Zusammenlegung von Administrativem, der Gestaltung, der Kasse, von Heizkosten und Ähnlichem machen wird. Das Zusammenführen von zwei fast identischen Bereichen, die nur durch 50 Meter Distanz getrennt werden, spart definitiv mehr, als man durch den Rückgang bei den Eintritten verliert.

These 2

Der Investitionskredit wurde auf 13 Millionen Franken geschätzt. Das geht inklusive Gebäudesanierung unmöglich auf. Die Zusammenlegung wird massiv teurer.

Natürlich ist es schwierig, ohne konkrete Informationen zu überschlagen, wie viel die Sanierung des Hauses kosten wird. Geht man vom zukünftigen Standort des Natur-Museums aus, könnten die 13 Millionen Franken aus meiner Sicht durchaus reichen. Das Zeughaus auf der rechten Reussseite hingegen, welches ebenfalls als Standort infrage kommt, hat viel mehr Volumen und ist im Inneren noch weit von den Vorgaben eines Museums entfernt – hier würde der Umbau bestimmt viel mehr kosten. Denken wir nur schon an den Brandschutz. Eigentlich ist es auch Wahnsinn, Ausstellung und Sammlung zusammenzulegen und mitten in der Stadt zu belassen, wo der Raum so knapp und teuer ist. Viel sinnvoller wäre es, grosse Bereiche der Sammlung auszulagern, wie das die Zentral- und Hochschulbibliothek ZHB in Büron machte oder das Verkehrshaus in Rain. Dazu kommt das Klumpenrisiko. Wenn es brennt, ist alles weg. (Pessimistische Zwischenbemerkung der Autorin: «Es brönnt gärn zLozärn!»)

These 3

Der Umbau kostet mehr. Doch mehr Geld gibt es nicht. Beim neuen Museum wird deshalb intern und inhaltlich noch stärker gespart.

Es ist so, dass Mehrkosten, die beim Gebäude anfallen, bei der Ausstellung abgezweigt würden. Ich würde mir da aber im Moment keine Sorgen machen. In der Schweiz werden Kosten üblicherweise realistisch prognostiziert.

These 4

Die sowieso schon knappen Ressourcen reichen nicht mehr aus. Die Sammlungen werden vernachlässigt und müssen bald einem anderen Museum übergeben werden.

Das ist keine pessimistische These, das ist trauriger Fakt. Die Sammlung des Natur-Museums wird bereits jetzt vernachlässigt. Sie ist nur teilweise inventarisiert, wird kaum erforscht und für die Bevölkerung ist sie nicht zugänglich. Nach den Kürzungen wird das Problem noch ausgeprägter. Die Aufgabe eines Museums ist zu sammeln, zu erhalten, zu erforschen und zu vermitteln.

These 5

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Besucherinnen und Besucher verlieren den Bezug zu ihrem Museum und kommen nicht mehr.

Das ist eine Überlegung, die man eher auf die Angestellten der beiden Museen beziehen könnte, die offenbar ganz stark an ihren eigenen kleinen «Gärtli» hängen und wenig spartenübergreifend denken. Ich würde mir wünschen, dass die Angestellten diese Herausforderung als Chance sehen. Man weiss nun seit einigen Jahren Bescheid. Den Versuch einer spartenübergreifenden Ausstellung sucht man jedoch vergebens. Um zu beweisen, dass etwas nicht funktioniert, muss man es meiner Meinung nach erst mal probieren. Mit einer spartenübergreifenden Ausrichtung könnte das Museum etwas Einzigartiges schaffen und in der Fachwelt Aufsehen erregen.

Dass einigen Museumsbesucherinnen und -besuchern ihr gewohnter Rundgang fehlen wird, das kann durchaus sein, doch bei den meisten überwiegt wohl eher die Neugier.

These 6

Man will zwar die Themen zusammenlegen, gleichzeitig will man aber mit Ausstellungen rausgehen an dezentrale Standorte im Kanton. Das Museum verzettelt sich vollkommen.

Das ist richtig. Dieser Plan vom dezentralen Auftreten des Museums zeigt eher das typische, alte Luzerner Patrizierdenken: «Wir beschenken die Region.» Man würde besser kleinen Museen beispielsweise im Entlebuch mehr Gelder geben, damit diese vor Ort Eigenes und Neues umsetzen können, das ihrem tatsächlichen  Bedürfnis entspricht.

These 7

Die Räume des ehemaligen Museums können auf dem freien Markt nicht vermietet werden und bleiben leer. Die Standortfrage schafft neue Probleme.

Das hängt natürlich davon ab, in welches Gebäude man das neue Museum verlegen wird. Das heutige Natur-Museum eignet sich sehr gut für eine Fremdvermietung, doch gleichzeitig ist es auch attraktiv für den neuen Museumsstandort. Freundlicher, repräsentativer, besser gelegen. Das Historische hingegen, ohne Fenster, präsentiert sich nicht ideal. Und ein ähnliches Problem haben wir beim Zeughaus.

Ich bin überzeugt, die Idee, das Museum ins Zeughaus zu verlegen, kommt nicht davon, was das Beste für die Bevölkerung und ihr Museum ist, sondern zielt lediglich darauf ab, dass man für die Immobilienabteilung des Kantons ein Problem lösen will. Niemand weiss, was man sonst mit dem heutigen historischen Museum, das kaum Fenster hat, anstellen soll. Vielleicht braucht es den Mut, denkmalpflegerische Anpassungen zu machen. Es handelt sich ja um ein gut gelegenes Gebäude, gross, historisch. Aber viel zu düster für heutige Anforderungen. Ein paar Fenster würde das ändern. In Luzern gibt es gute Architekten, die spannende Lösungen entwickeln könnten. Dann könnte das Gericht oder eine Verwaltung einziehen. So steht es leer, weil es kaum brauchbar und nicht veränderbar ist.

Und so unattraktiv nun Zeughaus und das Historische Museum für ein neues Museum sind, so unattraktiv sind sie auch für private Unternehmen. Als Abschreckung kämen im freien Markt die hohen Mieten, welche die Museen aktuell für die Gebäude bezahlen: um die 350 Franken pro Quadratmeter im Jahr. Das sind Preise wie am Schweizerhofquai. Die Museen überweisen je gegen 0,9 Millionen Franken ihrer Budgets, welches sie von der öffentlichen Hand erhalten, gleich zurück an die Liegenschaftsabteilung. Die Kultur scheint mir hier die Liegenschaftsabteilung des Kantons zu sponsern.

These 8

Zum Schluss wollte auch Kilian T. Elsasser, inspiriert von so viel Schwarzmalerei, seine eigene pessimistische These ausführen. Die Museen gehen langsam unter, da sich niemand für sie einsetzt.

Museen zu betreiben sollte keine Verwaltungsaufgabe sein. Das lähmt die Museen nur. Kanton und öffentliche Hand haben nicht die Aufgabe, Luzerner Geschichte und Natur zu verwalten. Sie sollen Museen mit einem Leistungsauftrag finanzieren und sich möglichst aus Inhalt und Struktur raushalten. Es bräuchte viel mehr Eigenverantwortung der Menschen, denen die Geschichte und die Natur Luzerns wirklich am Herzen liegen. Diese müsste man ermächtigen, die Museen zum Beispiel in Form einer Stiftung voranzutreiben.

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