Unsere neue Co-Chefredaktion im Gespräch: «Wir wurden verkuppelt»

Was hat die neue Co-Chefredaktion von 041 – Das Kulturmagazin mit der Publikation vor? Für die Leserschaft soll es nach Anja Nora Schulthess und Robyn Muffler literarischer werden – und durchaus auch unbequem.

Dieser Artikel erschien in unserer Juniausgabe. Hier 041 – Das Kulturmagazin abonnieren!

Bild: Stoph Ruckli

Gefällt euch das Magazin, wie es aktuell herauskommt?

Anja Nora Schulthess: Willst du? Soll ich?

Robyn Muffler: Du kannst gerne.

A. N. S.: Ganz grundsätzlich, wenn das Heft erscheint, geht es mir so und geht es meinem Umfeld so: Man blättert etwas durch, liest es aber gar nicht mehr richtig. Ich finde es auf der gestalterischen Ebene etwas unentschieden, ein Weder-noch. Zu wenig ein Statement.

R. M.: Wir beide haben bislang zwei kreative Brainstormings unternommen. Wir finden uns da recht gut und haben beide gemerkt, dass wir den aktuellen Kulturbegriff des 041 zu eng gefasst sehen.

Habt ihr schon früher zusammengearbeitet?

A. N. S.: Nur zusammen «käfeled», Bier getrunken, geraucht und geschwätzt.

R. M.: Eigentlich sind wir verkuppelt worden. (beide lachen) Aber wir sehen bei vielem: «It’s a match.»

Ihr musstet euch also zuerst auf gemeinsame Haltungen und Ziele einigen. Welche sind das?

R. M.: Inhaltlich wollen wir es kulturpolitischer haben, zeitgenössische Themen und Debatten, ohne natürlich die Zentralschweizer Verankerung aussen vor zu la ssen.

A. N. S.: Es soll nicht nur abgebildet werden, was die Luzerner Szene macht, sondern wir wollen breiter schauen, was gerade passiert. Ich glaube, wir haben beide den Anspruch, dass wir gute Geschichten bringen, die gut geschrieben sind von guten Leuten. Was wir nicht wollen, ist eine Luzerner Nabelschau mit Gefälligkeiten, nur weil sich alle kennen. Gerade bei diesen Rezensionen und Vorschauen frage ich mich, wer liest das noch? Ist das nicht mega langweilig?

Ihr wollt Leute hässig machen.

A. N. S.: Ich schon. ( lacht)

R. M.: Ich mach das ja nicht gerne, aber ganz vermieden werden kann’s wohl nicht. Am Schluss geht es um die Sache und das wird dann hoffentlich doch mehr erfreuen als hässig machen.

«Wir müssen eine gewisse Breite haben, ohne uns irgendwo anzubiedern. Ich habe schon den Anspruch, dass es verschiedene Leute anspricht.»

Ganz neu hat 041 einen Podcast. Was dürfen wir im Digitalen erwarten?

R. M.: Da gibt es das, was uns vorschwebt, und das, was machbar ist. Aus finanziellen Gründen hat der Online-Bereich für uns nicht Priorität.

A. N. S.: Aber wir planen Gefässe, die nur online funktionieren und auf Aktualitäten Bezug nehmen, wo man mit einem Printmagazin, das monatlich erscheint, keine Chance hätte.

Dennoch übernehmt ihr im Jahr 2021 ein gedrucktes Magazin. Hat euch noch niemand ausgelacht?

A. N. S.: Viele fanden es mutig, aber ich habe eine gewisse Neugier und sehe die Chance, Sachen anders machen zu können oder auf andere Ideen kommen zu müssen.

R. M.: Bei mir kommt – und das ist vielleicht ein bisschen nostalgisch verklärt – eine besondere Liebe für Bücher und Magazine hinzu. Ich habe doch noch einige Magazine abonniert, für die ich mir auf eine andere Art Zeit nehme als für schnelllebigen News-Journalismus.

Wie sieht eure typische Leserin, euer typischer Leser aus?

R. M.: Die oder der kommt, idealtypisch gesehen vielleicht, nicht nur aus der Zentralschweiz.

«Literatur beschäftigt sich letztlich sowieso mit allem, mit Gesellschaftspolitischem, Soziologischem, Historischem, Erfundenem, Märchenhaftem.»

A. N. S.: Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Leserin, ein Leser unser Heft auf macht und alles mega super findet. Das geht gar nicht. Wir müssen eine gewisse Breite haben, ohne uns irgendwo anzubiedern. Ich habe schon den Anspruch, dass es verschiedene Leute anspricht.

R. M.: Und auch ein Ort sein soll für Kulturschaffende und Künstlerinnen, die alle in irgendeiner Form involviert sind. Sei es, weil man sich kritisch mit ihnen beschäftigt oder ihre Stimmen abholt. Hier soll das Magazin als diskursives Medium genauso vernetzt und verankert sein.

Euer Hintergrund ist literarisch. Wird und soll man das dem Magazin anmerken?

R. M.: Literatur beschäftigt sich letztlich sowieso mit allem, mit Gesellschaftspolitischem, Soziologischem, Historischem, Erfundenem, Märchenhaftem. Also ja, man wird es merken.

A. N. S.: Literarisch im Sinne guter, sorgfältiger, interessanter Texte und Geschichten.

Die Sommerausgabe von 041 – Das Kulturmagazin wird die erste sein, für die das neue Leitungsduo verantwortlich zeichnet.