Trickfilmabend im Open Air Kino Luzern – Best of Fantoche 2012

Luzern, Montag, 12.8.2013: Am Trickfilmabend des Open Air Kinos Luzern zeigt das Filmfestival Fantoche jeweils eine Auswahl animierter Kurzfilme. Der Abend war warm, die Lage romantisch und das Programm gelungen. Es reichte vom computeranimierten Kinderfilm bis zum skurrilen Puppentrickfilm mit wundersamem Happy End. Da die Mehrzahl der gezeigten Filme zu den Preisträgern des letztjährigen Festivals gehört, überrascht es nicht, dass die Qualität sehr hoch war.

Der an der Filmakademie Baden-Württemberg produzierte Film «Zing» von Kyra Buschor und Cynthia Collins erzählt die Geschichte eines düsteren alten Mannes, der in einem dunklen Gewölbe sitzt und die Aufgabe hat, mit einer klitzekleinen Sense die Lebensschnüre der zum Tode bestimmten durchzutrennen. Eine reichlich langweilige Aufgabe, bis plötzlich genau der kleine und wahnsinnig herzige Junge, dessen Lebenslicht gerade ausgehaucht werden sollte, an die Türe klopft. Es folgt die obligate Verfolgungsjagd, bei der natürlich alle Lebensschnüre schrecklich durcheinander geraten, der alte Mann zum Trottel gemacht und der kleine dumme Junge auf einmal extrem klug wird. Trotz dem meiner Meinung nach ein wenig zu sehr an amerikanischen Grossproduktionen angelehnten Stil und einigen Ungereimtheiten in der Story fand ich diesen Film doch sehr sehenswert und für einen Studentenfilm technisch beeindruckend. Mit «La Nuit de l’Ours» konnten die beiden Westschweizer Filmemacher Samuel und Fred Guillaume nicht nur am Fantoche Erfolge feiern. Sie haben auch gleich noch den Schweizer Filmpreis Quartz und ein paar weitere Preise eingeheimst. Der Film erzählt auf einfühlsame und phantasievolle Weise vom Leben am Rande der Gesellschaft. Nacht für Nacht bietet der Bär den entwurzelten Tieren seiner Stadt eine Unterkunft: Dem Fuchs, der aus allem was er auf der Müllhalde findet etwas zu basteln weiss, dem Biber, der täglich auf dem Bau schuftet um seine weit entfernte Familie ernähren zu können, dem Wolf, der früher seine eigene Firma hatte und pleite gegangen ist, der Henne die die Tage im CD-Geschäft verbringt und ihrer Vergangenheit als Sängerin nachtrauert, dem Drogenabhängigen Wiesel, das schon alles ausprobiert hatte und dem jungendlichen Küken, das das Zuhause wegen seines gewalttätigen Vaters verliess ... Das Design dieses Films erinnert an eine bunte Kindergeschichte, doch die Stimmen und Geschichten der Tiere stammen von den Gästen einer Notschlafstelle in Fribourg. Der Zeichentrickfilm «Kuhina» (Das Gewimmel) des Finnen Joni Männistö ist eine äusserst krabbelige Angelegenheit. Er handelt vom bedauernswerten Schicksal eines sehr unsympathischen Kindes. Da der kleine Trampel nichts lieber tut als Käfer zu zerquetschen und unschuldigen Fliegen die Flügel auszureissen, bricht er in Freudengejauchze aus, als er im Park eine Ansammlung von Insekten und Maden findet. Sogleich beginnt er mit fröhlichem Käferquetschen (und dies so ausgiebig, dass es dem Publikum leicht mulmig wird). Doch die krabbligen Viecher wissen sich zu wehren und beginnen kurzerhand am Ohr des Kleinen zu knabbern, unter seine Kleider zu kriechen, sich zwischen seinen Zehen einzunisten, bis es das arme Kind (und auch das Publikum) überall zu jucken beginnt und er inne hält. Doch ist das Unausweichliche nicht mehr aufzuhalten: Aus den Lippen werden auf einmal kleine Raupen, aus dem Ohr ein Schmetterling, aus den Augen Marienkäfer und die Finger werden dicke Maden. Stück für Stück löst sich sich der kleine Kerl auf, bis er nur kümmerlicher ein Haufen Käfer ist. Also das hätte er nun doch nicht verdient, der arme Kleine! Mit «Oh Willy...» von Emma de Swaef und Marc James Roels, der letztes Jahr den Hauptpreis des Festivals gewann, endete das Programm. Der Puppentrickfilm ist ganz aus weicher Wolle gemacht und erzählt denn auch eine Geschichte über Geborgenheit und Wärme: Nach dem Tod seiner Mutter gerät der fünfzigjährige Willy in eine Identitätskrise. Zurück in der Naturistengemeinde in der er aufwuchs und seine Mutter noch immer gelebt hatte, fühlt er sich unwohl und einsam. Alte Erinnerungen werden geweckt und eine Reihe seltsamer Zufälle geschehen. Willy verirrt sich im Wald, verliert alles und findet sich schliesslich in einer kalten Höhle inmitten der Wildnis wieder. Zitternd vor Angst glaubt er sich dem Tode nahe, doch unglaublicherweise wartet genau da die Geborgenheit, die er schon so lange verloren geglaubt hatte: Umarmt von einem riesigen Yeti, eingehüllt in dessen warmes Fell und gefüttert von dessen praller Brust findet Willy die Glückseligkeit. Das Fantoche Festival selbst übrigens, findet jeweils im September in Baden statt und zeigt neben den internationalen Wettbewerbsprogrammen für Kurzfilme auch eine Auswahl Schweizer Produktionen, ein Kinderfilmprogramm und diverse Langfilme. Dabei wird viel Wert auf eine Vielseitigkeit des Programms und das Verfolgen neuer Trends in der Animationsfilmwelt gelegt.