An der Nase herumgeführt

Luzern, Samstag 14. April. Das «Sofa Theater» führte das surrealistische Werk «Die Nase» des russischen Autors Nikolaj Gogol als Live-Hörspiel auf. Die Version der Luzerner Laientheatergruppe sorgte eine Stunde lang für eine schöne und zugleich ungewöhnliche Art der Unterhaltung in der Jazzkantine. Von Katharina Wolf
Mit grossen Kopfhörern auf – jene wurden zu Beginn verteilt, damit das akustische Erlebnis dem Zuschauer in vollem Umfang zuteil wird – hängt die gut gefüllte Jazzkantine den fünf Schauspielern vom Anfang bis zum Schluss an den Lippen. Die Krienserin Gisela Nyfeler hatte mit ihrer Textbearbeitung den richtigen Riecher. Sie liefert damit eine gelungene und pointierte Vorlage für eine Hörspielfassung. Die fünf Akteure auf der Bühne versetzen dazu die Zuschauer gekonnt in die absurde Atmosphäre der Geschichte vom Petersburger Major Kovalev. Dieser muss eines Morgens mit Schrecken im Spiegel anstatt seiner Nase eine kahle Stelle im Gesicht entdecken. Gleichzeitig findet der Barbier Iwan Jakowlewitsch die fehlende Nase seines Kunden Kovalev in seinem Frühstücksbrot und wirft sie später aus Angst vor einem Strafverfahren in den Fluss. Durch den Verlauf der Handlung führt eine Erzählerstimme, abwechslungsweise von Tabea Bregger und Franziska Fleischli gesprochen. Die Dialoge der verschiedenen Figuren gewinnen mit den vielfältigen Geräuschen, die live und sichtbar erzeugt der Szenerie unterlegt werden, an Bilderfülle. Wenn sich Kovalev aufmacht, seine Nase zu suchen, hört man seine Schritte auf der Isaaksbrücke und man sieht, wie sie durch das Streichen von Zahnbürsten auf Holz entstehen. Das Öffnen eines Schirmes erschafft die Illusion von aufflatternden Tauben. Als Kovalev seine autonom gewordene und zum Staatrat aufgestiegene Nase erspäht, diese sich aber weigert, wieder dem Gesicht Kovalevs anzugehören, hallt der Klang ihrer Fluchtkutsche in den Kopfhörern noch nach – in Wahrheit das Geklimper eines Schlüsselbundes. Ebenso wie die Klangkulisse überzeugt auch die Rollenverteilung, wobei die Schauspieler jeweils mehrer Figuren darstellen. Obwohl das Stück als Hörspiel deklariert ist, kleben die Akteure nicht ständig am Text, sondern setzen ihr schauspielerisches Talent mit Mimik und Körpersprache ins Szene. Während es Christian Spiller versteht, auf humoristische Art den etwas ungelenken Barbier zu verkörpern, meistert Maurus Frey die Hauptrolle des Kovalev während des ganzen Stückes einwandfrei. Und auch mit seiner amüsanten Interpretation des Polizeibeamten, den er mit verstellter Stimme wiedergibt, sorgt er für laute Lacher im Publikum. Kovalev, der verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, seine Nase zurückzubekommen, trifft dabei immer wieder auf verschiedene Frauenfiguren. Diese unterschiedlichen Charaktere werden meist von Simone Hilber gelesen und gespielt: Die kichernde Angestellte für Zeitungsannoncen, bei der Kovalev zur Suche nach seiner Nase aufrufen möchte, oder auch die Zahnärztin mit schwäbischem Akzent, die daran scheitert, dem Armen die wiedergefundene Nase zu befestigen, haben grossen Unterhaltungswert. Weitere Aufführungen: Fr. 11. und So 13. Mai, 20 Uhr, Jazzkantine Luzern